Klintumer Zwiebelmarmelade

Die Nachbarn hatten zum Klintumfest geladen und ich dachte: was passt zum gegrillten Fleisch?

Ich kam auf Zwiebelmarmelade und weil sie ein Erfolg war, hier das Rezept:

Ich brate Kümmel, Schwarzkümmel und Senfkörner in Olivenöl an und füge nach und nach sechs große Gemüsezwiebeln kleingeschnitten hinzu.

Außerdem nehme ich 5 mittelgroße rote Pepperoni, die ich später wieder rausfischen werde. Das Ganze kocht, simmert, zieht Feuchtigkeit. Dann lösche ich mit Balsamico und Rotwein ab, gebe noch eine Portion „Zimt und Frucht“ von Brecht hinzu, salze und pfeffere großzügig. Ich habe  noch einen Rest gemörserten schwaren Pfeffer mit Piment und Fenchel, der kommt auch noch rein. Außerdem einige rote Pfefferbeeren, weils nett aussieht.

Wenn die Zwiebeln weich, aber nicht matschig sind:

Fast soviel Zucker pro Gewicht, als obs eine Marmelade wäre, probieren und evtl. mit mehr Rotwein oder Balsamico nachwürzen, damit es süß, salzig, scharf und fruchtig schmeckt.

Einen Teil in Marmeladengläser, zum Mitbringen für die Gastgeberin und zum Aufbewahren, den Rest in die Suppenterrine und abkühlen lassen.

Und was macht der Nachbar? Er läßt sich zum Probieren zwingen (Wat der Buer nich kennt, dat freet er nich…) und danach schnackt er allen Klintumerinnen und Klintumern, die er an der Bar trifft, meine Zwiebelmarmelade an.

Es gab auch eine Schüssel voll Feldsalat mit Erdbeeren, Mohn und Pinienkernen, ausgesprochen lecker. Ich bin früh gegangen, weiß leider nicht, wer die komponiert hat.

Die Kinder fahren Ponywagen, die Alten sitzen im Zelt und zählen die anwesenden Klintumer, die sie noch aus ihrer Jugend kennen: „Vier von meinen Schwestern sind ausgewandert, nach Amerika!“ – „Es sind nur noch fünf Klintumer da, mit denen ich zur Schule war!“

Der Gastgeber pfeift einmal laut und schrill, dann steigt er auf ein Fass und hält eine kurze Rede: „Ich habe neben mir einen wohnen, der ist da seit fünf Jahren und ich kenne ihn nicht! Deswegen wollten wir, nach Jahren, einmal wieder ein Klintumfest veranstalten, damit wir uns wieder alle kennen, wenn wir uns sehen!“ – Aber viele kennen sich natürlich seit ihrer Geburt, sind verwandt und verschwägert und sowieso.

Als ich mich auf die Bierbank neben dem Zelt setze, sitzt da einer, den ich nicht kenne: „Ich bin der aus der Rede von Uwe, sein Nachbar, den er nicht kennt.“

– Ach so!

 

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