Föhr-Texte 1: Die Andere

Die Andere

Manchmal fragte sie sich, was geworden wäre, wenn.

     Sie den anderen Weg genommen hätte.
     Sie mutiger, stärker gewesen wäre.
Sie freier gewesen wäre, lauter, böser, bissiger.

Dann ging sie zurück in den Kreis, wo alles begann. Den Kreis, wo alles entschieden worden war. Die Richtung des Weges.
Den Kreis, der Geborgenheit gewährte, der Anfang von allem, der Schoß, die Zeit vor der Geburt,  die Zeit vor der Verantwortung.

Und dann.
Dann ging sie den anderen Weg, der so klar und deutlich lag.
Große Schritte, Riesenschritte.

Und der Wind ist nicht kalt, der Wind ist nur Wind,
und die Weite ist nicht Einsamkeit, die Weite ist nur Weite.
Und die Stille ist nicht Bedrohung, die Stille ist nur Stille und
das Rauschen des Meeres und
das Wiegen der Gräser und
das Sirren des Winters,
wenn man es genau nimmt.

Clara Holländer, Föhr, 30.3.2013

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