Föhr-Texte 2: Lembecksburg. ICH HIER JETZT

Lembecksburg. ICH HIER JETZT

Ich gehe nach links und bleibe unten im geschützten Raum.
Brav die Aufgabe – Schritt für Schritt.
ICH HIER JETZT laufe   – Schritt für Schritt.
Der Schnee leuchtet mich an. Ich will ihn anfassen, spüren –
ICH HIER JETZT – Schritt für Schritt
Ich greife mit meiner Rechten nach dem Schnee, forme einen kleinen Ball
prickelnd – schmelzend – lebendig
ich werfe ihn an den Abhang und er rollt flugs flugs und wird verschluckt von einer Spalte im Schnee. Lange fühle ich das Prickeln des lebendigen Wassers.
ICH HIER JETZT – Schritt für Schritt
Ich halte inne und schaue
sehe plötzlich die Schönheit – Geschlossenheit – das Vibrieren des Kreises – der Sog in die Tiefe der Mitte – die Öffnung der Mitte in die Große Weite.
Ewig könnte ich hier so stehen  –  ich könnte mich hier verlieren
und ich gehe weiter – Schritt für Schritt
meine rechte Hand gibt die Lebendigkeit des Schnees, die ich immer noch spüre, weiter an die Linke
ich gehe weiter – Schritt für Schritt und halte wieder inne.
Meine Linke nimmt Schnee, formt ihn, öffnet sich der Kälte und wirft den Ball den Abhang hinauf  –  und er rollt noch fluxer als der erste und wird verschluckt von einer Spalte.
Ich komme zum Ausgangspunkt und ändere die Richtung.
Oben oder Unten?  Ich bleibe im geschützten Raum und gehe jetzt rechts herum –  Schritt für Schritt.
Diese blassen Farben sie sind da in einer Jahrtausende alten Gelassenheit.
Dieser Kreis ist ganz nüchtern und „matter of fact“ und gleichzeitig vibriert er mit einer Tiefe und Ausdehnung,
Erdmagie und Nüchternheit.
Auf der Mitte der Strecke schaue ich nach draußen, in die eckige Welt. Dann gehe ich oben weiter und halte noch einmal inne.
Gebanntes Schauen, bis ich leichten Schrittes meinen Kreis vollende.

Der Schneeball in meiner Hand

weckt mich

ICH HIER JETZT

Ewiger Kreis

Elis Schibel,  Ostern 2013

 

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