„Mit diesem Gelb kann ich leben.“ Mandala Geschichten

23.7.13 064In der Kraftquellenarbeit malen wir manchmal Mandalas aus: Christliche Mandalas sind z.B. die Rosetten in Kirchenfenstern; es gibt indische Mandalas, buddhistische Mandalas und keltische Flechtband-Mandalas. Die meisten finden eines, das sie anspricht, manche entwerfen ihr eigenes Mandala und malen das dann mit Buntstiften aus.
Eine Frau erzählt, es sei ihr beim Malen des Mandalas einfach so passiert, dass sie in der Wiederholung einer bestimmten abgeschlossenen Struktur innerhalb des Mandalas (sie zeigte ein keltisches Flechtbandmandala mit „vier Vierteln“ innerhalb des Kreises) für das Dunkle, das Schwarze, das, was sie bedrücke, wie zufällig eine andere Farbe gefunden habe: ein fahles Gelb. „Das ist keine schöne Farbe, aber mit diesem Gelb kann ich leben!“,  sagte sie.

Mit diesem Gelb kann ich leben.

Darum geht es beim Mandala-malen: dass wir uns selber für das, was in  unserem Leben passiert ist, die Farbe geben. Die Farbe, die es in unserer Seele annehmen kann. Wir malen den Kreis unseres Lebens aus und geben die Farbe. Das kann die Gefühlsqualität sein, die etwas hat, oder unsere Haltung zu einem Lebensereignis, das wir im Mandala symbolisiert sehen.
Beim Malen im Kreis der anderen Menschen, die um mich sind und schweigen und alle selber ihr Mandala malen, kann ich in Ruhe zu mir kommen. Ich höre: ich bin nicht allein. Da raschelt ein Stoff, da kratzt ein Buntstift übers Papier, da steht jemand auf und sucht einen Stift oder spitzt einen an. Einer Frau entfährt vielleicht ein Seufzer, ein Stuhl wird bewegt. Manchmal springt ein Blutdruckmessgerät surrend an. Es ist still draußen, bei offener Tür dringt manchmal ein Lachen herein, die Schreie der Möwen, die fast immer da sind;  jemand, der weit weg ist von zuhause, telefoniert sehr dringend mit seinem Handy im Hof. Der Raum, in dem wir sind, kann die Stille halten, es hat für manche etwas sehr Tröstliches, für andere etwas Klösterliches, wie wir da alle sitzen und malen, jede über ihr Mandala gebeugt.
Ich habe darauf geachtet, dass wir eine sehr große Auswahl an farbigen, dicken Papieren für den Hintergrund haben, und auch eine große Farbauswahl und Qualitätsauswahl bei den Buntstiften. Manchmal spielen Schattierungen eine große Rolle, und jede Farbe braucht ihren Raum.
Am Anfang meiner Arbeit mit den bunten Papieren beklagte sich eine Frau, dass ich kein Dunkelgrau, kein Kackbraun und kein Schwarz im Angebot hätte, das seien aber „die Farben meines heutigen Tages“! Ich habe das dann sofort geändert und Papiere in diesen Farben bestellt. Dazu gehören auch große Buntstiftsammlungen, die z.B. ein fahles Gelb enthalten, konventionell vielleicht keine schöne, und auch keine fröhliche Farbe, aber eine, die für das Leben dieser Rehabilitandin in diesem Moment eine große Bedeutung annehmen konnte:
Mit diesem Gelb kann ich leben.

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