„Am Hafen stand Tante Klärchen“… noch eine kleine Leseprobe. Lesung am 3.2. um 16h in der WDR Galerie

„Am Hafen stand Tante Klärchen“  Ein Inselroman

Kapitel 15:  Tod im Irrgarten

Irgendwann musste ich am Feuer eingeschlafen sein, denn ich wurde unsanft davon geweckt, dass ich in den Sand fiel, Kopf zuerst.

Matti, an der ich wohl gelehnt hatte, war aufgesprungen, und ich war gefallen. Was ich da so im Liegen vorfand, war verwirrend, laut, hell, chaotisch: es blitzte, ohne zu donnern und ohne zu regnen, Leute rannten durcheinander, sammelten hektisch ihre Sachen ein, immer wieder mal kurz beleuchtet, ansonsten war es dunkel, aber nicht sehr, die Nacht war hell, man konnte auch ohne  die Blitze noch sehen. Das seltsame gelbliche Licht von vorhin hatte sich gewandelt und war jetzt dunkelgelb, immer noch sehr unwirklich.
Die Luft ganz still, aber warum machten die Leute so ein Theater? Was war denn da los?
Matti beugte sich zu mir: “Stehst du mal auf, Schäfchen? Ich glaube, wir sollten uns mal umschauen.  Elena sagt, KK wäre verschwunden. Wir müssen in den Dünen suchen!“


Aber warum denn? Der schläft doch sicher irgendwo, was soll‘s denn, dachte ich unfreundlich und hörte mich sprechen: „Was? Wieso?“
„Elena war sehr aufgeregt, sie meinte, es könnte etwas passiert sein.“
Ich dachte: Was, wieso, und sagte: „Und deshalb rennen hier alle?“ Matti meinte: “Nein, die rennen, um zu den Autos zu kommen, hier wird’s gleich furchtbar regnen.“
Na toll.
“Und was machen wir jetzt?“
Matti sagte: “Ich bring dich ins Auto und suche KK.“
Mein Stolz regte sich, ich setzte mich auf, endlich, und sagte entschlossen: “Quatsch, ich komm mit.“
Matti zog mich lächelnd hoch: „Na dann los!“
Wir gingen durch die Rennenden hindurch in Richtung Dünen, dahin, wohin ich KK und Elena vor Stunden in den  Hundsrosen-Irrgarten hatte verschwinden sehen.
Elena war nirgends zu entdecken, niemand kümmerte sich um uns, alle suchten nur das Weite.
Und immer diese plötzlichen stillen Blitze, die die Dünen und den Strand hellst erleuchteten, um die Landschaft dann wieder in eine Dunkelheit zu senken, die jedes Mal tiefer erschien und sich wieder hob, Sekundenbruchteile später, wenn die Augen sich wieder auf das nächtliche Sturmlicht eingestellt hatten.
Matti hielt mich fest an der Hand, wir erklommen die Böschung und wandten uns nach links, wo der niedrige  Wald aus Hundsrosen stand, duftend, auch jetzt  noch, in der gespenstischen Szenerie um uns herum. Die Hundsrosen, undurchdringlich, stachelig, bildeten immer wieder kleine Lichtungen, in denen der helle Sandboden zu sehen war, grade groß genug, dass sich zwei Leute dort aufhalten konnten, die Wege dazwischen waren fast zugewachsen.

Ich spürte Stacheln an den Beinen, die an meiner Hose kratzten, als wir uns, Matti vorneweg, durchs Gebüsch schlugen. Sie hatte tatsächlich eine Taschenlampe in der Hand, die ein sehr helles, irgendwie blaumetallisches Licht abgab, mit dem sie auf die kleinen unbewachsenen Stellen leuchtete, wenn sie zwischen den Büschen auftauchten. Wir stolperten, ich dachte, wir müssen aufpassen wegen der Böschung, und ich erinnerte mich, dass dieses Hundsrosen-bewachsene Gebiet ziemlich groß war.
„Wie sollen wir hier jemanden finden?“ schrie ich gegen den enorm lauten Donner an, der mittlerweile eingesetzt hatte, die Luft roch intensiv nach Regen, Wind kam auf, die Blitze zuckten jetzt in kurzen Abständen, es waren keine Menschen mehr zu sehen und zu hören, hier waren nur noch Büsche und Sand, Donner, Wind und Blitz. Mattis Griff an meiner Hand wurde plötzlich fester, sie stoppte, ich rannte in sie hinein, stolperte und stieß unsanft mit ihr zusammen, blickte an ihr vorbei und sah, was das helle Licht ihrer Taschenlampe enthüllte: 

… hoffen wir das Beste, liebe Leserinnen!
2016 august - okt 110

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2 Kommentare zu „Am Hafen stand Tante Klärchen“… noch eine kleine Leseprobe. Lesung am 3.2. um 16h in der WDR Galerie

  1. Elfi Lund sagt:

    Es waren sehr interessante eineinhalb Stunden mit Ihnen. Vielen Dank. Ich hoffe sehr, dass Ihr erster Roman bald fertig wird und Sie einen Verlag finden. Wäre schön, im Taschenbuchformat, wegen der „Handlichkeit“. Sicher werde ich für mich selbst das Buch kaufen. Ganz sicher habe ich schon zwei unserer Gäste, denen ich es schenken könnte.
    Übrigens finden die Föhrer Gäste es schön, Bücher zu lesen, die auf und um Föhr ranken, sie kommen dann auch an die Orte, die sie kennen und sind einfach begeistert. Mein Mann und ich sind seid 49 Jahren Vermieter und haben einige auf die Insel und das Umfeld bezogenen Bücher in unseren beiden Wohnen stehen. Ihnen ein schönes Wochenende und viel Spass beim Schreiben.Viele Grüsse vom Wyker Südstrand, Elfi Lund

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